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Reviews / Plattenkritiken (german only! )
Clemens Neufeld - Polaris / Solaris (Giant Wheel 34) Ich habe schon ewig keine Platte mehr von Clemens Neufeld gehört! Wo steckte er denn? Den hat man doch vermisst in dieser Szene. Die neue EP zeigt auch warum. Er beherrscht zwar diesen Bremer Sound, ihr wisst schon, sehr klar, aber auch dicht, voller leicht pustig angerauhter Sounds aber trotzdem irgendwie glitzernd, aber er versteht es auch dem eine eigene Seele einzuhauchen, die darüber hinausweist. "Polaris" ist ein schwärmerischer Track mit vielen Stringhintergründen, warmen Basslines und einem todsicheren Gespür dafür, wann man einfach alles auf sich herabscheinen lassen kann, als wäre Musik sowas wie Sonnenlicht, das selbst in größter Entfernung und eisigster Kälte noch vor allem eins ausstrahlt: Wärme. Auf der Rückseite gibt es dann noch eine Variation des gleichen Themas mit schuffelnderen Beats, housigerem Unterton und etwas breiterem Suhlen in der Schönheit der einfachen Melodie.
(5/5) bleed / de-bug
Clemens Neufeld - Bye Bye Berlin LP (Giant Wheel / Giant CD 2)
Ich habe einen neuen Helden! Da ist die Welt doch gleich wieder in Ordnung. Ich werde deshalb zwar nicht Berlin verlassen, aber die Hipster der Stadt noch weniger ernst nehmen können, als dies ohnehin schon der Fall ist. Denn niemand geht so ungeniert mit seinen Hörerfahrungen um wie Clemens Neufeld - und das, ohne sich gleich vor irgendeinen Trendkarren spannen zu lassen. Die Kraft, die andere notgedrungen ins Cool-Sein verschwenden müssen, wandelt Neufeld in pure Energie um, die sich ohne Umschweife und völlig ungebremst in Ekstase entlädt. Da wird Disco von hinten aufgerollt, macht Station bei fat as fat can House-Grooves und in allen legendären Sommern der letzten Dekade und hebt dann ganz bald ab. Fliegen Nonstop. Musik, die keiner Starthilfe bedarf. Definitiv! (5/5) baas / de-bug
Clemens Neufeld - Live In Shanghai (Giant Wheel 19)
"100% Fun, 100% seriös", sagt das Info und da hat es einfach Recht. "Live in Shanghai" kommt komplett mit Shanghai-Shouter und total albernen Beltram-Sounds um die Ecke, wummert einem die Schädeldecke aus der Nase und bleibt trotzdem, äh, deep. Doch. Partymusik für Menschen, die sich selbst bei Retrosounds daran erinnern können, was ein Flow ist, im Gegensatz zu einem Gimmick. Und die Rückseite ist noch tubeliger in ihren Oldschoolnuancen und irgendwie dabei auch noch soulig. Slammer. (5/5) bleed / de-bug
Clemens Neufeld - Fairlight / Love At Sunset (Giant Wheel 16)
Großer Sport das. Clemens Neufeld hat so dieses heimtückische Abräumergrinsen in manchen seiner Tracks. "Fairlight" bringt das auf den Punkt. Ein relativ reduzierter Neodisco-Monstergroove, der perfekt zwischen M.A.N.D.Y. und ähnliche passen würde und dazu ein so blöde albernes Vocalsample (mal sagt es "a" mal "o" oder so, jedenfalls klingt wie auf dem oldschooligsten Sampler der Welt, hey, ein Fairlight etwa?, zusammengesamplet) und dazu noch ordentliche Arrangements aus der guten alten Technowelt. Perfekt. Das kickt, rockt, heizt ein und macht obendrein auch noch Spaß, weil einfach nicht dreist genug sein kann. Etwas stampfiger und noch prototypischer Neodisco, die Rückseite mit Claps aus der Tanzschule und Strings aus dem Trance-Arsenal, Funk-Gitarren wie auf einer Supersoundsingle und trotzdem, tja, nix mit Hüter der elektronischen Intelligenzia und Bewahrer des kritischen Grooves, das schlägt so manche Kompakt-12". (5/5) bleed / de-bug
Clemens Neufeld - Take You Higher / Bock Auf Rock (Giant Wheel 11)
Gerne genommene Brachial-Soulsamples koppelt Clemens Neufeld zur Zeit so frech wie kaum ein anderer mit satten Housegrooves, schwer herumlungernder Bassline und ausgefeilten glücklichen Samplehintergründen, die immer mehr Ekstase Versprechen und das Gefühl eines immer Höher-hinaus-wollens perfekt inszenieren, ohne sich dabei anstrengen zu müssen. Die Rückseite hat ein ähnliches Potential, obwohl sie nur schlicht eine Bassline rollen lässt, als wäre sie aus Boulekugeln, die sich irgendwann im Sand eingraben und dazu ein einfaches Stringsample gelegentlich aufblitzen lässt. Monstertracks. (5/5) bleed / de-bug
Clemens Neufeld - Sauerstoff (Fön 009)
Titel ist Programm und C.N. stellt seine AA auf die Grundlage eines Samples aus J.-M. Jarres Kult-Epos "Oxygene" und hat damit die Punkte schon fast sicher auf seiner Seite. Heraus kommt dabei aber kein flachgeistiger Remix sondern eine wirklich eigenständige Produktion mit druckvoller Bassdrum und geschickt eingebauten Backward-Sounds. Also ab unters Sauerstoffzelt, wir haben es alle bitter nötig. A1, "Walze", dagegen fährt mit einem derart dramatisch anschwellenden Staubsaugersound auf, daß selbst eingefleischten PCP-Fans noch ein Braunstreifen in die U-Hose abgehen dürfte. "High Score" ist ein überzeugend ausgeführter Magengrubenhieb, sehr sauer, knarzig und rasierklingenscharf. microbot / raveline
Clemens Neufeld - Sound Semantics (Fön 007)
Mittlerweile die 7te EP auf Fön, und wieder 4 Tracks die ihn weiter bringen an das Ziel eines sich in sich selbst begreifenden Grooves. Sehr stark auf Konzentration ausgerichtete minimale Stücke die natürlich nicht in jedem Augenblick wirken können, wenn aber sehr viel anrichten können. Spleeniger auf der B-Seite wo die Grooves auseinanderzubrechen scheinen, aber immer noch mehr in sich gehen und grooven. Sehr spannend vor allem die B-Seite, die sich wie ein Phönix erhebt um zu sagen daß es auch ganz anders gehen kann, und die kickendsten Grooves auch aus einer absichtlich verhinderten Tightness wiederauferstehen können. (5/5) de-bug
Clemens Neufeld - Hammer EP - (Fön 006)
Clemens Neufeld scheint mit jeder Maxi besser und besser zu werden. Sein neuestes Werk knüpft inhaltlich an die bisherigen Fön-Veröffentlichungen an, und fusioniert verschiedene Excerpts experimentellerer wie zugänglicherer Natur. Die typischen Clemens-Neufeld-Basslines bleiben als markantes, schneidendes Werkzeug fast immer erhalten und werden mal mit pushenden Rhymthmuselementen (B1), mal mit asynchron gesetzten, extrem heftigen Störgeräuschen (A1, A2) ergänzt. Auch wenn der EP-Name vielleicht etwas plakativ erscheinen mag, trifft er den Nagel doch auf den Kopf, und bereitet den assoziationsfähigen Hörern auf etwaig blutende Ohren vor. Hervorragend. (6/6) sykes / raveline
Clemens Neufeld - School Is Over (Fön 004)
Die Schule ist vorbei. Recht hat er. Es scheint, der gute Clemens hat sein Abitur in der Tasche. Denn diese mittlerweile 4. Fön ist der Hammer so far. Reifeprüfung eben. So sind die Tracks nicht mehr radikal-experimentalitisch, sondern führen volle Dancefloorkompatibilität und die spezifische Clemens-Neufeld-Ästhetik zusammen. A1 wirkt ungewohnt freundlich und fügt die magischen Knochen eines Voodoopriesters allmählich wieder zu einem komplexen Skelett zusammen. Dagegen ruft A2 wieder mal die elektronische Härte auf den Plan und es ist schon verdammt bemerkenswert, wieviel Drive die knarzigen Acidsounds aufkommen lassen, ohne daß hier auch nur eine schäbige Hi-Hat zu hören ist. Die B-Seite führt auf wunderbare Weise das Beste der beiden Tracks zusammen und präsentiert deshalb einen Clubkiller mittlerer Härte. Kaufen. (6/6) sykes / raveline
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